„Wer hat Dir erlaubt mich anzufassen?“ – Lipödem und dann aufs Festival?

Am Wochenende konnte ich endlich wieder aufs Festival fahren. Für meinen Freund ist es eine Art ‚Klassentreffen‘ in der Heimat, für mich meist nur ein großer, hitziger, betrunkener Spaß: Das With Full Force in der Nähe von Leipzig.

Aber Lipödem und Festival? Funktioniert das?
Über die Jahre ist es immer schwieriger geworden. Meistens ist es warm auf den Festivals, und warm bedeutet auch immer: geschwollene, schwere Wasserbeine. Um die Kompression kommt man also kaum herum – also Kompression nicht vergessen!
Falls ihr so ein Luxus-Camp habt, wie unsere Jungs (Danke nochmal an die Mutti <3), dann versucht doch einfach Kühlpads im Kühlschrank zu lagern, die ihr euch nachts um die Füße binden könnt (oder sogar einfach mal tagsüber). Auch ein kleines Wasserbecken oder Kinderplantschbecken kann Abkühlung an den Beinen verschaffen.
Meiner Meinung nach, ist aber eine Sache am Wichtigsten: NICHT ÜBERSCHÄTZEN! Wenns nicht mehr geht, dann gehts eben nicht mehr. Man kann sich immer irgendwo auf die Wiese, in den Schatten oder in Zelte setzen und mal die Füße baumeln lassen. Wenn ihr mit Freunden unterwegs seid, dann klärt sie auf – alle werden Verständnis haben, wenn ihr mal nicht im Trubel vor der Bühne dabei sein wollt oder auch mal einen ruhigen Nachmittag am Zelt einlegt.

Die meisten Lippi-Feen sind aber doch sehr einfallsreich und ich erzähl euch da sicherlich nichts Neues. Was viel schlimmer ist, und davon kann ich mich auch nicht frei machen, sind auch hier die Blick der anderen Festivalanten.
Dazu ein kurzer, sehr trauriger Exkurs:
Ich war dieses Jahr ganze 15 Minuten auf dem Bühnengelände und schaute mir die erste Band an. Völlig vertieft in die Musik, gab es auf einmal einen riesigen, lauten und schmerzhaften Schlag auf meinen Hintern. Natürlich habe ich mich umgedreht, um hinter mir eine Gruppe an (leider schon viel zu) erwachsenen Männern zu sehen, die sich feiern und die Aktion sogar filmen. Niemals in meinem Leben habe ich solche Scharm empfunden – natürlich völlig zu unrecht. Schnell stoß ich unter Tränen meinen Freund an und sage völlig perplex: „Da hat mich grad jemand geschlagen!“ Um die Situation klären zu können, sprach er mit den ‚Herren‘, die ihm promt die Faust hinhielten. Wir wollten es einfach dabei belassen. Ich habe das gesamte Konzert über geweint, weil ich es einfach nicht verstanden habe, wie sich jemand gut dabei fühlen kann, einem anderen Menschen irgendwo hinzufassen, wo er/sie es sicherlich nicht will. Bei uns LippiFeen kommt dann natürlich noch die Komponente ‚Schmerz‘ dazu und ich kann euch sagen, mein Hintern hat noch nie so geschmerzt. Nach dem Konzert wollte der ‚Poposchläger‘ die Situation schlichten – tja, was soll ich sagen.. Ich habe noch nie jemanden so angeschrien, wie diesen jungen Mann. Und es tut mir auch bis jetzt nicht Leid. Alle seine Kumpels wollten sich einmischen á la Hühnerhaufen – mit Kindergarten kann ich umgehen. Schnell waren sämtliche Dateien auf dem Handy des Filmers gelöscht und eine Abrechnung folgte promt.
Was danach aber bleibt, ist eine ganz spezielle Erniedrigung, die ein ganz neues Ausmaß hat. Jeden Tag ist man den komischen Blicken aus dem Umfeld ausgeliefert, aber das war dann doch eine neue Erfahrung, die ich nicht nochmal brauche und auch niemandem wünsche.

Aber zurück zum Text:
Mädels, bitte lasst euch den Festivalspaß nicht nehmen. Ihr könnt auch mit Lipödem abrocken, Shorts tragen, Sonnenbaden und Luftgitarre spielen – alles vielleicht nur nicht mehr so lange, aber das spielt am Ende keine Rolle. Denkt daran: Die meisten Menschen dort seht ihr nie wieder. Jeder beurteilt jeden und hat es am Abend meist schon wieder vergessen – ein schönes Festival vergesst ihr aber nicht so schnell 🙂

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