Vermessung einer Krankheit?

Wenn die Anzeige der Waage mal wieder lügt und man wissen will, ob man nun wirklich schon übergewichtig ist oder nicht, wird gern der Body-Mass-Index – kurz BMI – ausgerechnet, der auch heute noch gerne von verschiedenen Ärzten empfohlen wird.
Die Formel dazu:
Man teilt das Körpergewicht (in kg) durch die Körpergröße (in m) zum Quadrat. Und wenn das Ergebnis zwischen 18 und 25 liegt, sind wir safe. Wenn nicht, gibts ein Problem. Aber ist es wirklich so einfach?
In meinem Fall: Nein. Natürlich nicht. Warum sollte es auch. Die Fettverteilungsstörung bringt meinen BMI in andere Sphären. Da das krankhafte Fett immer weiter wächst, steigt natürlich das Gewicht und somit auch der BMI.

Nun berufen sich die Krankenkassen aber auf den BMI. Sie sagen, man solle erstmal abnehmen, dann wäre ja alles auch nicht mehr so schlimm. Ja…? Nein! Adipositas und Lipödem hängen zusammen und machen es den Patientinnen schwer, Gewicht reduzieren zu können.

Gibt es eine andere Lösung, fragt ihr euch!? Ja – gibt es.

Wenn man Menschen unbedingt in Zahlengruppen einteilen muss, dann gibt es andere Werte, die zeigen, wie verschoben unsere Lipödem-Körper sind.

Da gibt es zum einen die Waist-to-Hip-Ratio (WHR):

Hier wird der Taillenumfang durch den Hüftumfang geteilt. Die Werte teilen sich für Frauen dann folgendermaßen auf:
<0.8 = Normalgewichtig
0.8 – 0.84 = Übergewichtig
>0.8 = Stark Übergewichtig

In meinem Fall beträgt der Wert momentan 0.7. Ja, richtig.. 0.7! Da steht der Laufstegkarierre nichts mehr im Weg, sollte man meinen.
Dieser Wert ist kein rein medizinischer, sondern war eher dazu gedacht, den ästhetischen Aspekt eines Körpers zu berechenen. Aussagen über die Fettverteilung gibt er trotzdem und weitaus deutlicher als ein BMI.

Und zum anderen gibt es die Waist-to-Heigh-Ratio (WHtR):

Hier wird der Taillenumfang durch die Körpergröße geteilt. Für unter Vierzigjährige ist ein Wert über 0,5 kritisch. Bei den über Fünfzigjährigen liegt die Grenze bei 0,6, im Alter von 40 bis 50 zwischen 0,5 und 0,6.

Damit wird bemessen, wie stark der Fettanteil am Bauch ist und welchen Risiken man dadurch ausgesetzt ist, da Bauchfett immer schwer fürs Herz ist.
Dieser Wert liegt bei mir ebenfalls bei 0.6, wieder im Normalbereich.

 

Nun wird die Krankenkasse sicherlich nach dem BMI fragen, was Demütigungen und Absagen mit sich bringen wird, obwohl das Ergebniss recht eindeutig ist. Neben den Angaben dazu, werde ich meine Werte für die WHR und die WHtR sowie alle Maße meines Körpers (natürlich vom Arzt und Sanitätshaus gemessen) mitschicken, um ein klares Bild schaffen zu können.

Ihr könnt nun entscheiden, welche der Bemessungen richtig oder falsch ist. Oft frage ich mich, warum Messungen und Einschätzung in solch einer Hinsicht sein müssen, wenn das Auge die beste Diagnose liefert. Und es gibt nunmal Frauen, die viele Schmerzen mit sich tragen, obwohl der BMI bei ihnen vielleicht gar nicht so arg hoch ist. Hier muss mehr auf das Schmerzverhalten des Lipödems geachtet werden, als auf ästhetische oder übergewichtige Aspekte!

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