Mein Alltag ist scheiße – und deiner?

Eine kleine Anekdote:

Vor ein paar Tagen musste ich für das Büro einkaufen, in dem ich kleine Aufgaben als Studentin erledige. Kein Problem, oft habe ich verschiedene Dinge für meinen Chef und die Arbeitskollegen besorgt: Mittagessen, Milch, Getränke, Klopapier – was man eben im Büro so benötigt.
Dieses Mal sah die Liste aber anders aus: Snikers, Mars, Twix, Kekse, M&Ms, etc. Eine ellenlange Liste mit allen Süßikeiten, die das Herz begehrt. Jeder normale Mensch denkt sich: „Juhu! Cheffe schmeißt wieder ein paar Runden Kalorien!“ – ich denke mir: „Ach du heiliger.. und ICH, ausgerechnet ich, muss DAS jetzt alles einkaufen. Wie werden denn da die Leute reagieren?!“

Und diese Momente machen uns Lippi-Feen das Leben eben noch mehr zur Hölle. Würde ich jeden Tag tausende Kalorien in Form von Snikers & Co. in mich hinein befördern, dann wäre ich damit wahrscheinlich d’accord, weil es meine eigene Entscheidung ist. Und wenn ich was gegen die angesammelten Snikers in der Hüftgegend machen wollen würde, wäre ich dazu auch im Stande, ohne Diagnose habe ich das ja auch oft genug in Angriff genommen, meistens ohne großen Erfolg.
Die Lage ist aber leider anders. Hungern, bis zum Erbrechen Sport treiben, viele unglückliche Minuten auf der Waage, und was passiert? Bei einem Schub kommen täglich Pfunde dazu. Und das quasi gratis – frei nach dem Motto: „Mein Schwabbel, hier haste noch was, für den langen Winter.“

Einige dieser Momente, die mir tagtäglich durch den Kopf schießen, dürft ihr nun nachfühlen aka. 10 Dinge, die Natascha so niemals sagen würde:

  1. Oh, der Stuhl im Café hat eine superkleine Sitzfläche und harte Armlehnen. Super, tut mir gar nicht weh und es sieht auch gar nicht blöd aus, wie ich da so reingequetscht sitze.
  2. Nein, ich mache mir überhaupt keine Gedanken darüber, ob der Mann, der grad „Sowas ekelhaftes, du fette Sau“gesagt hat, wirklich mich gemeint hat.
  3. Achja, alle in der Gruppe wollen spazieren gehen. Ja, kein Problem. Ich habe die ganze Nacht mit Krämpfen in den Beinen wach gelegen, meine Kompression hängt schon lange nicht mehr da, wo sie soll und ich fühle mich quasi wie Usain Bolt persönlich. Gib mir die steilen Berge, yay!
  4. Ich soll dich auf den Arm nehmen, Kindchen? Kein Problem. Ich kann mir zwar die Haare morgens nicht alleine föhnen können, aber Kinderaugen kann bekanntlich niemand widerstehen.
  5. Mh, ich habe mir nun ein fettiges Brötchen ausgesucht, einen Fertigkaffee und dazu noch Schokolade für die Couch heut Abend. Das ist okay, ich brauch jetzt nicht noch Äpfel, Bananen und heimischen Wirsing kaufen, nur damit die Verkäuferin mich nicht verurteilt.
  6. Die Bahn kommt schon? Klar, ich renne schnell hin, damit wir sie auch ja noch kriegen.
  7. 3 Stunden Auto fahren – ha, ein Klacks. Mir tuen ja nicht nach 30 Minuten schon meine Füße und Oberschenkel weh. Stau mag ich besonders gern, da kommen meine eingeschlossenen Oberschenkelmuskeln immer so an die Arbeit.
  8. Heute 35 Grad im Schatten – da zieh doch gerne meine 3teilige Ganzkörper-Kompression an.
  9. Oh, die Verkäuferin bei *füge einen modernen Großkonzern für Klamotten ein* mustert mich von oben bis unten, wenn ich den Laden betrete. Das gibt mir das nötige Selbstvertrauen, um jetzt richtig groß shoppen zu gehen!
  10. Im viersten Stock wohnen – kein Problem, ich trag die Einkäufe gerne hoch.

Ja, irgendwie ist diese Liste unendlich erweiterbar. Jeden Tag kommt eine Aufgabe dazu, die ich nicht mehr richtig bewältigen kann.

Menschen mit Übergewicht, sei es selbstverschuldet oder durch eine Krankheit, leben mit Hürden, die sich viele Menschen nicht einmal im Traum ausdenken können. Und viele dieser Menschen versuchen trotzdem ihr Bestes und lassen sich nichts anmerken. Jeder kämpft seinen eigenen Kampf mit sich selbst und dem Leben – man guckt den Menschen halt eben doch nur vor den Kopf.

Aber ein guter Ansatz zum schluss:
In drei Wochen geht mein Antrag raus! Kinners, ick freu mir!

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