How to: Der Antrag

Nachdem ich viele Anfragen zu meinem bewilligten Antrag bekommen habe, werde ich in diesem Beitrag verschiedene Tipps und den Aufbau meines Antrags mit euch teilen.

Starten wir chronologisch:

Kurz nach der Diagnose und den damit verbundenen Forschungen über Therapiemöglichkeiten, wurde mir schnell bewusst, dass eine OP für mich in meiner Situation die beste Idee sein könnte. Durch viele intensive Gespräche mit meinem Hausarzt bin ich letztendlich bei folgender Methode angekommen: Ich habe beschlossen, ein Jahr die konservative Therapie, die die Krankenkassen in den meisten Stadium 3-Fällen übernimmt, durchzuziehen. Dazu gehören: Regelmäßige MLD, Flachstrickkompression an Beinen, Gesäß und Armen, Sport (in meinem Fall schwimmen, um es möglichst Gelenkschonend zu gestalten), intensive Hautpflege und ausgewogene Ernährung. Ich habe ebenfalls vom ersten Tag ab der Diagnose an bestimmten Tagen in der Woche mein Gewicht und meine Umfangsmaße schriftlich festgehalten.

Mit dem Entschluss, eine OP als Methode festzulegen, war ich mir natürlich auch über die schlechten Chancen bei der Krankenkasse bewusst. Trotz aller Ängste, begab ich mich im folgenden Jahr auf einen Ärzte-Marathon: Phlebologen, Psychiater, Dermatologen, Allgemeinmediziner, Lymphologen, etc. Die Liste ist schier unendlich. Viel Kopfschütteln habe ich in der Zeit erhalten, oft ein „Nehmen Sie doch einfach ab!“ oder teils sogar Äußerungen, die einfach nur beleidigend waren. Aber auch sehr oft bin ich auf Verständnis und Unterstützung gestoßen, oft haben mir Ärzte interessiert zugehört und auch noch was lernen können.
Am Ende dieses Marathons stand ich mit genug Gutachten und damit auch enorm viel Rückhalt vor diesem Riesen namens Antrag.

Man könnte sagen: Sie hatte keine Ahnung was sie tat.

Irgendwann habe ich mich hingesetzt und einfach drauf losgeschrieben. Viele Worte wollten einfach raus und es war fast befreiend, diese auf Papier zu bringen. Nach schier endlosem Geschreibe, kam auch langsam die Panik, irgendetwas falsch zu machen. Nach der ersten Korrektur durch eine sehr liebe Freundin (Danke nochmal Svea!), habe ich die Notwendigkeit einer guten Struktur gesehen. Oft habe ich mich im Schreiben wiederholt, oft machte ich große Sprünge, weil mir selbst viele ja so klar war. Die Macht der Sprache ist hier enorm wichtig, da der Mensch bei der Krankenkasse durch meine Augen schauen können muss, um dann über den Rest meines Lebens entscheiden zu müssen. Also folgten viele Stunden des Rückens und Umschreibens, die sich am Ende aber auszahlten.

Aufbau

  1. Anschreiben
  2. Eigentlicher Antrag
  3. Anhang

Zu 1:

Das Anschreiben für die Krankenkasse bedient einen rein formalen Aspekt. Es ist auf der ersten Seite recht kurzgehalten, damit auf einen Blick alle wichtigen Daten zu sehen sind: Name, Anschrift, Versichertennummer, Grund des Antrags, Datum (!) und die Unterschrift. Bei mir sah der Text dann bspw. folgendermaßen aus:

Versichertennummer: XXXXXX

Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren,

hiermit überreiche ich Ihnen meinen Antrag auf Liposuktion bei Lipödem. In der Anlage füge ich mein persönliches Schreiben sowie Gutachten verschiedener Ärzte, die in meinem Schreiben genauer benannt werden, an.
Für weitere Rückfragen stehe ich Ihnen selbstverständlich zur Verfügung.“


Zu 2:

Mein persönliches Anschreiben bestand aus zehn ausgeschriebenen Seiten und stellte den Hauptteil des Antrags dar. Auch wenn einige Krankenkassen immer wieder betonen, so wenig wie möglich einzureichen, legte ich meinen Fokus auf eine präzise Beschreibung meines Alltags und meiner Schmerzen – die passen nunmal nicht auf drei Seiten.
Angefangen habe ich mit einer allgemeinen Beschreibung des Krankheitsbildes. Danach folgte mein Leidensweg von der Pubertät bis heute, detailliert mit allen Stationen, allen Schüben, an die ich mich erinnern kann und wann mich die Erkrankung aus welchen Gründen eingeschränkt hat.
Da ich in diversen Gruppen bereits auf Erfahrungen anderer gescheiteter Lipkämpferinnen blicken konnte, habe ich in meinem Antrag alle Ablehnungsgründe vorweg genommen. Ich habe mich zu meinem Übergewicht bekannt und die Gründe und auch den Verlauf genauesten erörtert.
Des Weiteren habe ich alle Merkmale, die diese Krankheit mit sich bringt, aufgezählt und aus meinen Augen beantwortet. Dazu zählen:
– Reibung
– Juckreiz
– Druckschmerzen, Spannungsgefühl und Berührungsempfindlichkeit
– Blutergussneigung

Ein wichtiger Teil ist für mich die Forschung. Obwohl die Krankenkassen immer wieder Ablehnungen rausschicken und dazu antworten „Es gibt noch gar keine Forschung dazu!“, stimmt das nicht. Es gibt immer wieder Aufsätze oder kleine Forschungsarbeiten, die sich in einem engen Rahmen mit der Erkrankung auseinandersetzen. Diese habe ich für mich genutzt und immer wieder im Verlauf der Arbeit zitiert. Deswegen war meinem Antrag ebenfalls eine Literaturliste angehangen. Ich denke auch, dass dieses Vorgehen einen ungemeinen Vorteil bei der Antragsstellung hatte.

Alles in allem muss den Krankenkassen, besonders bei sehr jungen Betroffenen, aufgezeigt werden, welche Folgen hier nicht nur für den Alltag entstehen, sondern auch eventuelle Rollstuhlpflichtigkeiten, Erwerbsuntätgkeiten, etc. Das sind Schlüsselwörter, die den Krankenkassen das Ausmaß der Erkrankung auch finanziell vor Augen führt. Deswegen sollte auch immer auf die in vielen Fällen vorliegende threapieresistenz hingewiesen werden.


 Zu 3:

De Anhang fiel  bei mir dann recht üppig aus. Hier meine Aufstellung:

Anlage 1 (a-p):           Gutachten Dr. XXX (Operateur)
Anlage 2 (a-b):           Gutachten Dr. XXX (Psychiaterin)
Anlage 3:                     Gutachten Dr. XXX (Gyn)
Anlage 4 (a-b):           Gutachten Dr. XXX (Phlebologe)
Anlage 5 (a-d):           Gutachten Dr. XXX (Lymphologe, Dermatloge) + Diagnosebogen
+ Ultraschall der Beine
Anlage 6:                     Gutachten Dr. XXX (Allgemein- und Sportmediziner)
Anlage 7:                     Ergebnisse Dr. XXX (Endokrinologe)
Anlage 8:                     Fotos Dr. XXX (Operateur)


Mein Antrag umfasste am Ende ganze 40 Seiten. Nach fünf Wochen wurde ich zur Vorstellung beim MDK eingeladen. DIe Geschichten um den MDK sind immer wieder grausig und auch ich hatte sehr viele Ängst. Dazu muss ich sagen: Alle unbegründet. Die mir zugeteilte Ärztin war hervorragend, kannte sich mit dem Krankheitsbild aus und sah bereits beim Betreten des Raumes die Notwenigkeit der OP.

Tipps zum Besuch beim MDK werde ich bald verfassen und dann auch an dieser Stelle verlinken.

Falls Ihr Fragen habt, schreibt mir doch gerne ein Kommentar oder eine Mail an info@tatasachen.de

 

Veröffentlicht in Blog

3 Gedanken zu „How to: Der Antrag

  1. Uli Antworten

    Hi 🙂

    super hilfreicher Blogeintrag! Danke!
    Ich hätte nur eine Frage, was haben dir der Endokrinologe und der Gyn geschrieben bzw. bestätigt? Wenn ich an meine denke, haben die keine Ahnung von dem Krankheitsbild. Bzw. wirkt etwas von den Bereichen auch zum Lip bei?

    Lg
    Uli

    • TataZimmermann Autor des BeitragesAntworten

      Hei Uli, danke für dein Feedback!
      Ich habe, aufgrund einer raschen Gewichtszunahme, die Befürchtung vor einem Schilddrüsenleiden gehabt. Da hatte ich die Diagnose Lipödem noch nicht. Der Endokrinologe hat quasi nur festgestellt, dass an der Front alles i.O. ist. Das war dann im Antrag quasi meine Grundlage zu sagen „Hei, das hab ich abchecken lassen, daran liegts schonmal nicht.“ Der Gyn ist auf die großen Hautprobleme eingegangen, die ich zwischen den Beinen, besonders im Sommer, durch den Rieb der großen Oberschenken habe. Ich muss aber auch sagen, dass es bei mir lange gedauert hat, bis ich geeignete Ärzte gefunden habe, die sich mit der Krankheit auskennen oder zumindest bereit dazu waren, etwas dazu zu lernen. Da bin ich meist beim ersten Termin schon ganz offen und suche mir danach den Arzt aus. Ich denke, ich kann mit einem Arzt nichts anfangen, der meinen Körper eigentlich nicht versteht. Da muss man dann auch den Mut zum Wechseln haben 😉
      Ob etwas von diesen Bereichen zum Lip beiträgt, kann man so allgemein nicht fassen: Ich denke, du wirst merken, welche Bereich an deinem Körper durch das Lip beeinträchtigt sind – und das sind meist ganz schön viele. Von Gelenken, über innere Organe oder die Psyche sind die Leiden bei den Frauen oft ganz unterschiedlich. Deswegen ist es immer wichtig, die Leiden die man allgemein hat, mit dem entsprechenden Arzt zu besprechen und zu schauen, welchen Einfluss das Lip- oder auch das Lymphödem da haben.
      Ganz liebe Grüße, Natascha 🙂

  2. Uli Antworten

    Danke für deine Antwort 🙂
    Ist es möglich deine Literaturliste zu bekommen?
    Liebe Grüße
    Uli

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